Donnerstag, 23. Juli 2026

Florian Beckerhoff (Hg.): Häfen - Eine literarische Kreuzfahrt

Buchinfo

Wer etwas erleben will, geht in den Hafen. Hier trifft das Meer auf die Stadt, hier kreuzen sich die Wege von Seefahrern, Händlern und Gaunern, Abenteurern, Flüchtigen und Verfolgern aus aller Herren Länder.

Kein Wunder, dass dieses schillernde Reich zwischen Wasser und Land gerade Schriftsteller immer wieder faszinierte.

Max Frisch, Jack London, Italo Svevo und viele andere laden ein zu einer bildstarken literarischen Kreuzfahrt um die Welt, von Piräus über Hamburg und New York bis nach Havanna, Bangkok und Shanghai.

 

Buchbeginn

Piräus
Eine Begegnung im Morgengrauen
Mark Twain kam mit der ,Quaker City', dem ersten Kreuzfahrtschiff überhaupt, nach Piräus. Augen für den Hafen hatte er aber nicht. Vom Hafenmeister unter Quarantäne gestellt, lobt er lediglich die damals noch klare Luft, durch die er mit seinem Fernglas einen guten Blick auf die Athener Tempelanlagen genießt. Im Zuge einer Nacht-und-Nebel-Aktion schleicht er sich schließlich von Bord, um die Akropolis aus der Nähe zu betrachten. Mit Erfolg. Aber Piräus? Kein Interesse.

Eichborn Verlag, 2008
186 Seiten
ISBN-10: ‎3821809620
ISBN-13: ‎978-3821809625  

Susanne von Meiss: BücherWelten

Für dieses Buch gibt es keinen Klappentext. Auf der Rückseite steht ein Spruch von Hermann Hesse:

"Von den vielen Welten, die der Mensch
nicht von der Natur bekam, sondern
sich aus dem eigenen Geist geschaffen hat,
ist die Welt der Bücher die größte."


Dieser wirklich ausgezeichnete Band ist in fünf Kapitel untergliedert:

1. Büchertempel - Geistliche Bibliotheken, Hofbibliotheken und Staatsbibliotheken

2. Bücher sammeln - Spezialsammlungen, Clubs, Berühmte Sammlungen

3. Wohnen mit Büchern - Bibliotheken als schöne Interieurs, Chalets und Jagdhäuser, Wohndesigner und ihre Bibliotheken

4. Buch & Kunst - Bibliotheken als Kunstobjekte, Buch als Kunst

5. Büchermacher - Kunst & Handwerk, Buch & Handel, Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Verlegerinnen und Verleger, Literaturagenten, Literaturkritiker

Im Anhang erscheinen noch Bezugsadressen, Bibliotheksadressen, die Bibliographie, Danksagung und Bildnachweis.
 

Montag, 20. Juli 2026

Anne Fine: Böse Träume

Melinda ist eine Leseratte durch und durch. Sie liest Bücher nicht nur, sie frisst sie anscheinend. Etwas zum Fressen gern haben, der Spruch würde zu ihr passen.
In der Schule hat sie unter ihrer Bank immer die neuesten Erscheinungen aus der Schulbibliothek.
Eines Tages kommt Imogen in ihre Klasse und der Klassenlehrer beauftragt ausgerechnet Melinda als Patin für die Neue. Ausgerechnet Melinda, die doch lieber liest, als sich mit den Mitschülern abzugeben.
Als sie hinter Imogens Geheimnis kommt, versucht sie, Näheres zu erfahren. Aber Imogen ist sehr verschlossen. Doch eines Tages entdeckt Melinda, woran es liegen könnte, dass Imogen so unnormal auf Bücher reagiert. Sie beschließt, Imogen zu helfen, doch die darf davon nichts erfahren.



Eine tolle Idee, schnell und leicht zu lesen. Der Schluss war für mich ein wenig enttäuschend. Ich hätte ihn mir anders gewünscht. Aber das ist Geschmackssache. Ansonsten: absolut lesenswert.
 

Donnerstag, 25. Juni 2026

Alberto Manguel: Tagebuch eines Lesers

 Übersetzt von Chris Hirte
FISCHER Taschenbuch
1. Auflage 1. Oktober 2007
240 Seiten
ISBN-10: ‎3596159431
ISBN-13: ‎978-3596159437
Originaltitel: ‎A Reading Diary

 

Buchinfo

Bücher sind die Sterne am Firmament unserer Biographie. Im ,Tagebuch eines Lesers' überlässt sich Alberto Manguel ein Jahr lang seinen Sternen. Monat für Monat liest er im Rhythmus seiner Reisen und der Jahreszeiten je eines seiner Lieblingsbücher neu - von Don Quijote bis Sherlock Holmes.
Alberto Manguel begegnet seiner Kindheit wieder, seinen literarischen Helden, und zeigt uns, wie man in Zeiten politischer Wirrnis lesend seinen Kopf behält. 

Buchbeginn

Seit einem guten Jahr bewohnen wir unser neues Haus in Frankreich, und schon muss ich fort, um meine Verwandten in Buenos Aires zu besuchen. Ich habe keine Lust dazu. Viel lieber möchte ich im Dorf bleiben, im Garten, im Haus, dessen dicke Wände im Sommer für Kühle sorgen. Ich möchte damit anfangen, die Bücher in die neu gebauten Regale einzusortieren. Ich möchte in meinem Zimmer sitzen und arbeiten. 

Dienstag, 9. Juni 2026

Penelope Fitzgerald: Die Buchhandlung

 Buchinfo

 Florence Green erwirbt in Hardborough, einem verschlafenen Dorf an der Küste Ostenglands, das Old House als zukünftiges Domizil für ihre Buchhandlung. Daß das Gebäude anscheinend von einem Poltergeist besessen und bis auf die Grundmauern feucht ist, bringt sie von ihrem Vorhaben ebensowenig ab wie die Tatsache, daß sie von finanziellen Dingen keine Ahnung hat. Voller Schwung stürzt sie sich in die Vorbereitungen und stattet ihre Buchhandlung liebevoll aus. Die Einwohner des kleinen Städtchens begegnen dem Unternehmen zunächst mit Skepsis, bald stellen sich jedoch erste Stammkunden ein. Als Florence Green aber dann "Lolita", ein gerade erschienenes Buch eines bis dahin unbekannten Autors, Vladimir Nabokov, verkauft, ist die Aufregung groß...

 

Buchbeginn

1959 wußte Florence Green am Ende mancher Nächte nicht genau, ob sie überhaupt geschlafen hatte. Sie plagte sich nämlich mit der schwierigen Entscheidung über den Kauf eines kleinen Anwesens, des Old House, samt dazugehörigem Lagerschuppen unten am Wasser. Sollte sie die einzige Buchhandlung in Hardborough aufmachen? Wahrscheinlich hielt die Unentschlossenheit sie wach.

 

Zitate

"Es [,Lolita' von Nabokov] ist ein gutes Buch, und deshalb sollten Sie versuchen, es den Einwohnern von Hardborough zu verkaufen. Die werden es nicht verstehen, aber das ist nur gut so. Verstehen macht denkfaul."


"Ihr Ärger richtete sich gegen alle, die mit Büchern und Lesen zu tun hatten, und die es zur Bedingung für Erfolg machten, daß man kleine Aufsätze schreiben konnte... Alle diese Menschen haßte sie." 

 

Aus dem Englischen von Christa Krüger
Mit einem Nachwort von David Nicholls
insel taschenbuch 4346
7. Auflage 2014
165 Seiten 

Sonntag, 7. Juni 2026

Ragnar Helgi Ólafsson: Die Bibliothek meines Vaters - Requiem

 Buchinfo
Der Autor muss die Bibliothek seines Vaters ausräumen und möchte es an einem Wochenende erledigen. Schnell wird klar, dass diese Zeitplanung eine Schnapsidee ist. Also entscheidet er sich dafür, zufällig Bücher aufzuschlagen. Er gleitet so in Gedanken und Zitaten nicht nur von Titel zu Titel, sondern jede aufgeklappte Seite bringt ihn zu anderen Fragestellungen: Hat jedes Buch einen eigenen, einzigartigen Geruch? Können wir jemals über den Verlust der verbrannten Bibliothek von Alexandria hinwegkommen? Was haben seltsame regionale Geschichten über Geister, Feen und arme Bauern im Island des 19. Jahrhunderts mit dem 21. zu tun? Wann genau wird die Sonne voraussichtlich ausbrennen? Und wie können diese Fragen dazu beitragen, unserem Leben und unserer Existenz heute einen Sinn zu geben?

Buchbeginn
Die Bibliothek meines Vaters umfasst mehr als 4000 Bände. Das ist eine grobe und vorsichtige Schätzung. Auf diese Zahl bin ich heute Morgen gekommen, indem ich die Regale gezählt und dann mit der durchschnittlichen Anzahl der Bücher in jedem Regal multipliziert habe. Die Bücher im Keller habe ich nicht mitgezählt. Auch nicht die Stapel und Kisten mit Büchern in der Garage. Ja, und zugegebenermaßen auch nicht die Bände und Mappen im Hausflur.

Zitat
"Ich war von Anfang an fest entschlossen, keine Bücher aus der Bibliothek meines Vaters mit nach Hause zu nehmen. Dieser Entschluss gilt nach wie vor. Ich habe so viele Bücher. Zu viele. Und ständig bekomme ich neue geschenkt. Zu meinem Geburtstag: ein Buch. Zu Weihnachten: ein Buch. Zu meinem Abschluss ein Buch. Es summiert sich. Ich kann nicht einmal behaupten, gänzlich unschuldig daran zu sein, denn auch ich habe Bücher gekauft, und zwar bei viel zu vielen Gelegenheiten. Vor ein paar Jahren füllte meine Bibliothek fünf turmhohe Bücherregale. Das ist natürlich eine Art böser Traum. Ich will keine Bücher besitzen. Bücher sind Kram, und ich möchte lieber nicht viel Kram besitzen, am besten gar keinen - oder zumindest so wenig wie möglich."



mikrotext
1. Auflage 2025
208 Seiten
ISBN-10: ‎3948631646
ISBN-13: ‎978-3948631642
Originaltitel: ‎Bókasafn föður míns
Aus dem Isländischen von Jón Thor Gislason und Wolfgang Schiffer 

Dienstag, 26. Mai 2026

Kim Wilkins: Das magische Buch

 Im Prolog begegnet uns Christian. Christian, der in einem Haus neben einer Leiche gefunden wird. Als die Bücher des Toten verschifft werden sollen, taucht Christian wieder auf, erleidet einen Unfall und stürzt ins Wasser.
Über 100 Jahre später erscheint er wieder und macht sich bei Holly bemerkbar. Während sie im Melbourner Humberstone College über ihren Büchern eingeschlafen ist, verschafft ihr Christian als Geist einen Höhepunkt.
Später gibt er sich ihr zu erkennen, allerdings kann sie ihn nur sehen, wenn sie in einen Spiegel schaut. Und ihr wird in seiner Gegenwart so schlecht, dass sie sich fast übergeben muss. Das passiert, da sie dadurch, dass er ihr seine Geschichte erzählt, länger in seiner Gegenwart ist.
Die Mitschüler, mit denen sich Holly ein Büro an diesem College, das jährlich nur zwei Stipendien vergibt, teilt, sind Prudence, die ein Techtelmechtel mit dem Professor hat, und Justin, dessen Tante und Onkel das College gehört und die ein Geheimnis zu umwittern scheint.
Ein Geheimnis existiert tatsächlich. Das Geheimnis um das Grimoire, mit dem Dämonen heraufbeschworen werden können. Justins Onkel will das ewige Leben erhalten und geht dafür über Leichen.
Als Holly, Prudence und Justin hinter das Geheimnis kommen, schweben sie in höchster Gefahr. Sie sind aber auch die einzigen, die die Welt vor den Dämonen retten können.
Dieses Buch habe ich mir kurz nach der Wende gekauft. Es war mein erstes mit Blick auf "Bücher über Bücher" und mein erstes mit einem parapsychologischen Hintergrund. Also Hochspannung pur.


Nachdem ich nun mittlerweile schon einige Sachbücher zu dem Thema gelesen habe und Akte-X-Fan bin, hat es nicht mehr den Zauber von damals. Trotzdem hat es Spaß gemacht, es noch einmal zu lesen, vor allem, weil ich wirklich nicht mehr wusste, wie es endet.
Ein Aha-Erlebnis gab es dann aber ganz zum Schluss doch noch. In der Danksagung standen folgende Sätze:

Donnerstag, 16. April 2026

Deborah Crombie: Das verlorene Gedicht

Victoria McClellan, die Exfrau von Superintendent Duncan Kindcaid schreibt eine Biografie über die Lyrikerin Lydia Brooke. Sie glaubt nicht an den Selbstmord der Dichterin und bittet Kincaid, ihren Exmann, zu recherchieren. Er tut ihr den Gefallen und stellt ein paar Fragen. Aber er ist nicht zuständig in diesem Bereich und ihm sind irgendwie die Hände gebunden.
Bis seine Exfrau ermordet wird. Da gibt es für ihn kein Halten mehr. Und Gemma James versucht, ihm so gut wie möglich zu helfen.

Dieser Krimi gehört zur Serie um die beiden Ermittler Duncan Kincaid und Gemma Jones, die ein privates Verhältnis haben. Ich kenne jetzt erst zwei Bücher aus dieser Reihe und merke, dass das persönliche Verhältnis mehr im Mittelpunkt steht und sich die Fälle anscheinend dazwischenschieben. Ich erfahre jedenfalls viel über das Privatleben der beiden Ermittler. Man liest diese Reihe wohl besser der Reihe nach,

"Das verlorene Gedicht" hat mir sehr gut gefallen, besonders weil es hier auch um Literatur geht, um das Erstellen einer Biografie. Jedes Kapitel beginnt mit einem Gedicht oder Gedichtausschnitt von dem Dichter Rupert Brooke, der hier öfter erwähnt wird. Und obwohl Gedichte ja nicht so mein Ding sind, machen diese mich neugierig.

Gedichte sind es dann auch, die die Ermittler auf die richtige Fährte bringen.

Goldmann, 2013
ca.‎ 416 Seiten
ISBN-10: ‎ 3442052866
ISBN-13: ‎ 978-3442052868
Buch 5 von 19: ‎ Die Kincaid-James-Romane 
 

Samstag, 21. März 2026

Amanda Colombo: Das Jahr in Virginias Buchladen

Aus dem Italienischen von Renée Legrand

Buchinfo
Im Alter von fünfunddreißig Jahren kehrt die Juristin Bianca als Witwe wieder an den Ort ihrer Kindheit zurück. Ihr Mann ist verunglückt, ihre Ehe war nicht wirklich gut, und die junge Frau weiß nicht, wie es nun weitergehen soll. Sie beschließt in das alte Haus ihrer Großmutter zu ziehen – dem einzigen Ort, wo sie immer glücklich war. Denn unten im Haus befindet sich "Virginias Buchladen", die Buchhandlung von Signor Marco, der sie früher stets mit einem Lächeln und einem guten Ratschlag empfing. Ganze Nachmittage verbrachte sie als Mädchen in dem zauberhaften kleinen Buchladen. Als der alte Buchhändler, dessen geliebte Frau Virginia inzwischen gestorben ist, ankündigt, dass er bald schließen wird, kann Bianca es nicht fassen, und obwohl sie traurig ist, nimmt sie das Angebot an, ihm in dem verbleibenden Jahr zu helfen.

Tag für Tag lernt sie von dem weisen Signor Marco, wie man mit Kunden umgeht und das Buch findet, das sie wirklich brauchen. Vor allem aber lernt sie, dass Bücher Einfluss haben auf die Seelen und das Leben der Menschen. Die Arbeit in der Buchhandlung öffnet ihren Blick und ihr Herz. Auch ihre beiden besten Freundinnen, die unstete Mavi und die allzu geduldige Dele, scheinen in einer Sackgasse gelandet zu sein und suchen nach einer neuen Perspektive. Könnte die Buchhandlung, die einst nach Virginia Woolf benannt wurde, ein neuer Anfang für sie alle sein?

Buchbeginn
PROLOG
MAI 2008

"Alles in Ordnung, Mädchen!"
Signor Marcos Worte ließen sie hochfahren. Erst in diesem Moment wurde ihr klar, dass sie schon seit einer Weile schweigend dastand, den Blick auf die vollen Bücherregale gerichtet, während ihre Finger die Einkerbungen am Rand des alten Ladentisches fühlten, die von früheren Leben der Hölzer zeugten. Sie nahm sich noch einen Augenblick Zeit, um über den Rücken der Bücher zu streichen, die ihr so oft Gesellschaft geleistet hatten, und noch einmal ihren Geruch einzuatmen - diese verheißungsvolle Mischung aus Staub, Papier, Druckerschwärze und Geschichten, wie man sie nur in Buchhandlungen findet. Dieser Ort würde ihr fehlen, mehr als sie es sich eingestehen wollte, aber sie würde ein neues Leben beginnen und musste nach vorn blicken.

Zitat
"Meine Liebe", hatte sie lächelnd gesagt, "Bücher sind lebendig. Sie sind Papier und Blut, Druckerschwärze und Gedanken. Sie sind wie wir: Sie atmen, sie wiegen etwas, sie machen Geräusche, sie nehmen Licht und Gerüche auf, sie erzählen ihre Geschichte, sie werden alt. Wenn sich niemand um sie kümmert, sterben sie. Wenn sie von jemandem geliebt werden, leben sie ewig. Und ich liebe sie sehr."
 

Sonntag, 15. März 2026

Libby Page: Das Jahr voller Bücher und Wunder

Aus dem Englischen von Sibylle Schmidt

Buchinfo
Tilly fällt aus allen Wolken, als sie an ihrem Geburtstag einen Anruf von Buchhändler Alfie Lane erhält. Ihr Ehemann Joe hat in Alfies kleinem Laden ein Geschenk für sie hinterlegt: ein Jahr voller Bücher – für jeden Monat eins. Seit Joes Tod vor fünf Monaten ist Tilly nicht mehr dieselbe, doch nun fasst sie sich ein Herz. Die Bücher führen sie von einem Abenteuer ins nächste. Durch die lebhaften Straßen New Yorks, zu neuen Freunden in Paris, in die friedvollen Hügel der Toskana und zu den kilometerlangen Sandstränden von Bali. Mit Alfies Hilfe entdeckt sie alte und neue Seiten an sich und lernt eine Tilly ganz ohne Joe kennen. Kann ihr dieses Jahr voller Bücher und Wunder zeigen, wie man wieder lacht, träumt und Pläne schmiedet? Und wie man sich vielleicht sogar neu verliebt?

Buchbeginn
Das richtige Buch in den Händen der richtigen Person genau im richtigen Augenblick kann ein Leben für immer verändern. Davon ist Alfie fest überzeugt. Was ziemlich naheliegt, wenn man sechs Tage die Woche in einer Buchhandlung verbringt und unzählige Male den großen Zauber erlebt hat, dass jemand den Laden mit der auf Papier gedruckten Chance verlässt, sich in jemand ganz anderen zu verwandeln.
 

Freitag, 23. Januar 2026

Lucy Dillon: Der Prinz in meinem Herzen

 Aus dem Englischen von Sina Baumanns
Goldmann, 2013

Buchinfo

Als Anne den Buchladen von Longhampton übernimmt, erfüllt sich ihr großer Traum. Und nicht nur, weil sie damit zumindest zeitweise ihrer Rolle als ungeliebte Stiefmutter entkommen kann. Anne liebt Bücher – und die Geschichten von Märchenprinzen, bösen Hexen und verwunschenen Gärten erfüllen die Räume der kleinen Buchhandlung bald mit neuem Zauber. Ein Zauber, dem selbst Annes beste Freundin, die taffe Karrierefrau Michelle, erliegt. Doch deren Vergangenheit wirft dunkle Schatten, und eine Krise bahnt sich an. Ist das Glück der Freundinnen in Gefahr?

Buchbeginn

Michelle stand in ihrem neuen Laden und versuchte, sich einen Namen auszudenken (Nightingale's? Home sweet Home? Küchenparadies?), während sie sich den Verkaufsraum schon mit handgenähten Lavendel-Duftsäckchen, schweren Bienenwachskerzen - das war das Wichtigste - ohne den Gestank von geräucherten Makrelen vorstellte. 

Montag, 19. Januar 2026

Karl August Böttiger: Literarische Zustände und Zeitgenossen - Begegnungen und Gespräche im Klassischen Weimar

 Buchinfo

Worüber sich Goethe und Wieland beim Abendessen unterhielten, was Bratwürste und Borsdorfer Äpfel mit dem Begriff des Unendlichen zu tun haben und warum sich Goethe nach Jena zurückzog, als die berühmte Madame de Stael in Weimar eintraf - wenn Sie das wissen möchten, dann greifen Sie zu dieser Ausgabe.

Aus der Handschrift neu herausgegeben, liegen die Aufzeichnungen des angesehenen Weimarer Gymnasialdirektors zum ersten mal unzensiert und ungekürzt vor. Lange genug genossen sie einen zweifelhaften Ruf, wurden als Klatsch- und Tratschbuch verschrien, und der Verfasser selbst wurde verunglimpft als Arschgesicht, Vogelscheuche und Schmeißfliege. Zugleich aber wurden diese Schilderungen wieder als zuverlässige Quelle genutzt.

Heute verbinden wir das Amüsement über das Menschlich-Allzumenschliche der Klassiker, wie es uns in Böttigers Aufzeichnungen so anschaulich entgegentritt, mit der Wertschätzung des authentischen Berichts eines Augen- und Ohrenzeugen.

Buchbeginn

Heute früh (den 26ten Septembr[is] [1791] predigte Herder in der Schloß- oder Garnisonkirche. Dies war das erstemal seit länger, als einem Halbjahr, und da es schlechterdings zum guten Tone gehört, Sonntags Nachmittags im Vauxhall oder in der Theegesellschaft fragen zu können: Haben Sie Herder gehört? so walfarthete noch vor 9 Uhr die ganze beau monde in diese in der äußersten Vorstadt gelegene Kirche. 

Mittwoch, 10. Dezember 2025

Christopher Morley: Das Haus der vergessenen Bücher

Aus dem Amerikanischen von Renate Orth-Guttmann

Buchinfo

Roger Mifflin hat seine größte Leidenschaft, das Lesen, zum Beruf gemacht. In seinem Antiquariat in Brooklyn findet man ihn dort, wo der Tabakrauch am dichtesten ist. Unterstützt wird er von seiner ebenso patenten wie resoluten Ehefrau und seinem Hund Bock-Bock wie Boccaccio. Bücher sind Mifflins Leben. Von Werbemaßnahmen für sein Geschäft will er allerdings nichts wissen, und so lässt er den jungen Aubrey Gilbert, angestellt bei der Grey Matter Agency, ziemlich abblitzen, als der ihm seine Dienste anbietet. Dennoch freunden sich die beiden an, und bald kommt Gilbert täglich ins Geschäft. Was auch an Mifflins neuer Hilfskraft liegen mag - der schönen Titania Chapman, deren Leben in Gefahr zu sein scheint. Und das gilt nicht nur für ihr Leben...

Buchbeginn

Die Buchhandlung, in der es spukt

Wenn es Sie einmal nach Brooklyn verschlägt, einen Ort, der prachtvolle Sonnenuntergänge und den erhebenden Anblick von Kinderwagen bietet, die von Ehemännern geschoben werden, hoffe ich um Ihretwillen, dass der Zufall Sie auch in jene ruhige Nebenstraße führt, in der sich eine höchst bemerkenswerte Buchhandlung befindet.

Christopher Morley: Eine Buchhandlung auf Reisen

Aus dem Amerikanischen Englisch von Felix Horst

Buchinfo

Helen McGills Bruder Andrew ist ein veritabler Büchernarr. Zu Helens großem Leidwesen. Vernachlässigt er doch dafür sträflich die Arbeit auf der gemeinsamen Farm. Als eines Tages ein gewisser Roger Mifflin mit seinem Parnassus, einer fahrenden Buchhandlung, bei der Farm haltmacht, um Andrew den Bücherwagen zu verkaufen, beschließt Helen, nur um ihren Bruder vor dem Anblick all der Bücher und die Farm damit vor dem Ruin zu bewahren, das Gefährt zu kaufen und auf Reisen zu gehen. Mutig macht sie sich auf, um die Weltliteratur kennenzulernen - und die Liebe zu einem seltsamen kleinen Mann, der unablässig das Evangelium des Buches predigt.

Buchbeginn

Ich frage mich, ob in der höheren Bildung nicht auch viel Unsinn steckt. Mir ist noch nie aufgefallen, dass Leute, die über Logarithmen und andere Formen der Dichtkunst Bescheid wissen, deshalb schneller Geschirr abwaschen oder Socken stopfen können. Ich habe, wenn ich Zeit dazu hatte, selber viel gelesen und will nichts gegen Leute sagen, die Bücher lieben, aber ich kenne viele Menschen, die einmal tüchtig und praktisch waren, aber durch zu viel feines Druckwerk verdorben worden sind. Wenn ich Sonette lese, bekomme ich auch immer gleich Schluckauf. 

Sonntag, 7. Dezember 2025

Natalie Jenner: Teatime im Jane-Austen-Club

Aus dem Amerikanischen von Marie Rahn

Buchinfo
1945: Der Krieg ist zu Ende, doch in dem kleinen Dorf Chawton im Süden Englands hat er Spuren hinterlassen. Hier lebte einst Jane Austen und schrieb ihre großen Romane, und die Erinnerung an sie prägt den Ort und seine Bewohner noch immer. Eine Gruppe ungleicher Menschen setzt sich dafür ein, Jane Austens Vermächtnis für die Welt zu erhalten. Sie alle haben mit dem Verlust und dem Trauma des Krieges zu kämpfen und finden Zuflucht in der Literatur. Gemeinsam gründen sie die Jane Austen Society. Werden sie über die Liebe zum Lesen ihre Trauer überwinden und zurück ins Leben finden?

Buchbeginn
Chamton, Hampshire
Juni 1932

Er lag auf der moosbewachsenen Mauer, hatte die Beine angezogen und drückte seinen Rücken gegen den Stein. Das Zwitschern der Vögel drang durch die stille Morgenluft und verursachte ihm Kopfschmerzen. Ganz reglos lag er da und spürte, wie ihn auf dem kleinen Kirchhof der Tod umgab. Fast sah er selbst aus wie eine Skulptur auf einem Schrein, so als läge er in ewiger Ruhe auf einem stillen Grab.

Zitat
Wir schätzen Jane Austen, weil ihre Figuren, so faszinierend sie auch sein mögen, nicht besser oder schlechter sind als wir selbst. Sie sind durch und durch menschlich. Ich persönlich finde es sehr tröstlich, dass sie uns alle durchschaut hat. 

Samstag, 6. Dezember 2025

Bodo Plachta: Dichterhäuser in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Buchinfo

Orte, an denen Dichterinnen und Autoren gelebt und gearbeitet haben, besitzen eine Aura. Wir suchen sie auf, um in Räumen und abgelebten Dingen etwas von dem Menschen und seiner kreativen Arbeit zu erhaschen und ihn vielleicht etwas besser zu verstehen. Manchmal, im Glücksfall, weht einen geradezu der Hauch einstiger Vitalität an. Der Germanist Bodo Plachta hat über fünfzig der schönsten Dichterhäuser und Gedenkstätten in Deutschland, Österreich und der Schweiz besucht und beschrieben, um zu solchen weltlichen Pilgerfahrten anzuregen: von der Wohnburg Oswalds von Wolkenstein über Goethes Weimar, das Gut Wiepersdorf der Arnims und Nietzsches Haus in Sils Maria bis zu Brechts Berliner Wohnung und Thomas Bernhards Bauernhöfen.

Buchbeginn

Achim und Bettina von Arnim
Wiepersdorf

Schloss Wiepersdorf, 80 Kilometer von Berlin entfernt in der südlichen Mark Brandenburg bei Jüterbog gelegen, war zeitweiliger Wohnsitz des Dichterehepaars Achim (1781 - 1831) und Bettina (1785 - 1859) von Arnim und ist noch immer ein Künstlerhaus von überregionaler Bedeutung. Wie zur Zeit der Arnims liegt Schloss Wiepersdorf in einem idyllischen Park, abgeschieden in karger Landschaft und umgeben von kleinen Dörfern.

Sonntag, 30. November 2025

Evie Woods: Die Geschichtensammlerin

Aus dem Englischen von Ivonne Senn

Buchinfo

Ein ruhiges Dorf in Irland steht kurz davor, von einem geheimnisvollen lokalen Mythos unwiderruflich verändert zu werden...

Vor hundert Jahren erklärt sich Anna, ein junges Bauernmädchen, bereit, einem faszinierenden Besucher aus Amerika zu helfen, irische Feengeschichten ins Englische zu übersetzen. Doch nicht alles ist so, wie es scheint, und bald findet Anna sich im Herzen eines Geheimnisses wieder, das ihre gesamte Art zu Leben bedroht.

Im heutigen New York besteigt Sarah Harper ein Flugzeug in Richtung Irlands Westküste. Dort angekommen, sammelte sie die alten Geschichten und bringt damit dunkle Geheimnisse ans Licht, die ihrem Leben eine vollkommen andere Richtung geben könnten...

Buchbeginn

Dort, wo Thornwood House jetzt steht, befand sich einst ein uralter Wald. Man sagt, als Lord Hawley das Anwesen 1882 als Brautgeschenk für seine Frau kaufte, befahl er, vor Beginn der Bauarbeiten die gesamte Fläche zu roden. Doch mitten auf dem Gelände stand ein knorriger alter Weißdorn, ein Feenbaum, und es hieß, dass jeden Unglück befallen würde, der es wagte, auch nur die Rinde zu verletzen. Eine Seherin aus dem Ort warnte den Master, den Baum nicht anzurühren, weil sich das Gute Volk an jedem rächen würde, der sich an seiner Behausung verginge. 

Zitat

"Wenn wir unsere Geschichten verlieren", schrieb er, "verlieren wir uns selbst."
 

Donnerstag, 27. November 2025

Walter Mehring: Die verlorene Bibliothek - Autobiographie einer Kultur

Buchinfo

"All die Bücher werden einmal dir gehören, wenn ich tot bin, hatte mein Vater gesagt, sooft ich mir einen Band ausleihen kam. Das also sollte mein Erbe sein." Walter Mehring hat dieses Erbe aus der Erinnerung gesichtet. Sein Buch über die (auf der Flucht vor dem NS-Regime) verlorene Bibliothek ist die geistreich-bissige Auseinandersetzung mit den Dichtern und Denkern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, eine kritische Lebensgeschichte der Literatur.

"Es lag mir nicht so sehr an den Büchern im einzelnen", schreibt Walter Mehring über die Entstehung dieser Autobiographie einer Kultur, "als vielmehr an jener historisch, ästhetisch, philosophisch einmaligen Konfiguration, wie sie sich in der Bibliothek meines Vaters, in seinem speziellen Horoskop des XIX. Jahrhunderts eingestellt hatte. Es wurde eine Konfrontation mit den Büchern und Autoren und ihren Schicksalen den fata meiner Generation -, doch ausschließlich mit denen, die im Augenblick der Niederschrift mir wahrhaftig, erinnerungsgetreu dazu einfielen. Dies bildete das einzige Kriterium."

 
Buchbeginn

Gewohnt habe ich zum letzten Male wohl in Wien, bevor es stürzte. Denn dort hatte ich noch alle Bücher um mich, aus meines Vaters Bibliothek, und konnte mich zu Hause fühlen. Wie oft seitdem das Landschaftsbild im Fensterrahmen gewechselt hat - und ein paar Mal war es vergittert -, vermag ich mir nicht mehr zu vergegenwärtigen. In Wien stand noch mein Büchererbe vor seinem Fall - ins Exil gerettet dank der Komplizität der Berliner Tschechoslowakischen Gesandtschaft, dank der Kollegialität ihres Attachés, des Lyrikers Camill Hoffmann (aus der Prager Dichterrunde der Werfel, Meyrink, Kafka, Capek, die alle etwas kabbalistisch angehaucht waren), - ihn aber hat man später in einem Brandofen vernichtet. 

Mittwoch, 19. November 2025

Carolin Gmyrek (Hg.): Geheimnisvolle Bibliotheken

Buchinfo

Bibliotheken sind Orte voller Geheimnisse. Sie enthalten Wissen, Schätze, Reichtümer... und manchmal ist das alles ein und dasselbe.
Bibliotheken beherbergen wandelnde Träume, verschlossene Märchen, geheimnisvolle Kreaturen, die sich zwischen den Regalen verstecken und verborgene Welten hinter jedem Bücherdeckel. Der Geruch von altem Papier und Staub weht wie ein ruheloser Geist durch die dunklen Räume und in der Luft liegt das leise Wispern von tausenden Gedanken und Ideen. Wie ein Labyrinth breiten sich kilometerlange Gänge vor einem aus und in jeder Ecke wartet ein Geheimnis, das einem den Atem rauben kann.

Buchbeginn

Vorwort
Der Dichter Jorge Luis Borges stellte sich sein Paradies immer als eine Art Bibliothek vor. Wie töricht. Hätte er die Geschichten des nun in Ihren Händen befindlichen Buches gelesen, so hätte er seine Meinung sicherlich revidiert und in den Gemäuern dieser Stätten die Hölle vermutet. Der Teufel selbst kehrt in ihnen ein und lässt seine Finger über die ledrigen Bücherrücken fahren.

Kathrin Sand: Wenn Bücher töten

Buchinfo

In Berlin wird ein Brandanschlag auf die Verlagsbuchhandlung "Orientalia" verübt, die eine brisante Koranstudie veröffentlicht hat. Ein Mord im näheren Umfeld von "Orientalia" ruft die Mordkommission auf den Plan. Kommissarin Sarah Stern und ihr Kollege Hakan Mutlu vermuten einen Zusammenhang. Doch sie stoßen bei ihren Ermittlungen auf Widerstand aus den eigenen Reihen. Wie viel Zeit bleibt den Ermittlern, um weiteres Blutvergießen zu verhindern?

Buchbeginn

"Prolog
Mit zitternder Hand legte er den Hörer auf die Gabel und stützte sich mit der Hüfte am Schreibtisch ab. Seine Beine fühlten sich bleischwer an. Sie bremsten den Impuls, augenblicklich die Flucht zu ergreifen, sich seinem Dasein zu entziehen und sich irgendwo zu verstecken.
,So fühlt es sich also an, wenn einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird', schoss es ihm zum wiederholten Mal durch den Kopf. Wenn die eigene Welt zusammenbricht. Das Ende."