Buchinfo
Der Autor muss die Bibliothek seines Vaters ausräumen und möchte es an einem Wochenende erledigen. Schnell wird klar, dass diese Zeitplanung eine Schnapsidee ist. Also entscheidet er sich dafür, zufällig Bücher aufzuschlagen. Er gleitet so in Gedanken und Zitaten nicht nur von Titel zu Titel, sondern jede aufgeklappte Seite bringt ihn zu anderen Fragestellungen: Hat jedes Buch einen eigenen, einzigartigen Geruch? Können wir jemals über den Verlust der verbrannten Bibliothek von Alexandria hinwegkommen? Was haben seltsame regionale Geschichten über Geister, Feen und arme Bauern im Island des 19. Jahrhunderts mit dem 21. zu tun? Wann genau wird die Sonne voraussichtlich ausbrennen? Und wie können diese Fragen dazu beitragen, unserem Leben und unserer Existenz heute einen Sinn zu geben?
Buchbeginn
Die Bibliothek meines Vaters umfasst mehr als 4000 Bände. Das ist eine grobe und vorsichtige Schätzung. Auf diese Zahl bin ich heute Morgen gekommen, indem ich die Regale gezählt und dann mit der durchschnittlichen Anzahl der Bücher in jedem Regal multipliziert habe. Die Bücher im Keller habe ich nicht mitgezählt. Auch nicht die Stapel und Kisten mit Büchern in der Garage. Ja, und zugegebenermaßen auch nicht die Bände und Mappen im Hausflur.
Zitat
"Ich war von Anfang an fest entschlossen, keine Bücher aus der Bibliothek meines Vaters mit nach Hause zu nehmen. Dieser Entschluss gilt nach wie vor. Ich habe so viele Bücher. Zu viele. Und ständig bekomme ich neue geschenkt. Zu meinem Geburtstag: ein Buch. Zu Weihnachten: ein Buch. Zu meinem Abschluss ein Buch. Es summiert sich. Ich kann nicht einmal behaupten, gänzlich unschuldig daran zu sein, denn auch ich habe Bücher gekauft, und zwar bei viel zu vielen Gelegenheiten. Vor ein paar Jahren füllte meine Bibliothek fünf turmhohe Bücherregale. Das ist natürlich eine Art böser Traum. Ich will keine Bücher besitzen. Bücher sind Kram, und ich möchte lieber nicht viel Kram besitzen, am besten gar keinen - oder zumindest so wenig wie möglich."
mikrotext
1. Auflage 2025
208 Seiten
ISBN-10: 3948631646
ISBN-13: 978-3948631642
Originaltitel: Bókasafn föður míns
Aus dem Isländischen von Jón Thor Gislason und Wolfgang Schiffer
Bücher über Bücher
Sonntag, 7. Juni 2026
Ragnar Helgi Ólafsson: Die Bibliothek meines Vaters - Requiem
Dienstag, 26. Mai 2026
Kim Wilkins: Das magische Buch
Im Prolog begegnet uns Christian. Christian, der in einem Haus neben einer Leiche gefunden wird. Als die Bücher des Toten verschifft werden sollen, taucht Christian wieder auf, erleidet einen Unfall und stürzt ins Wasser.
Über 100 Jahre später erscheint er wieder und macht sich bei Holly bemerkbar. Während sie im Melbourner Humberstone College über ihren Büchern eingeschlafen ist, verschafft ihr Christian als Geist einen Höhepunkt.
Später gibt er sich ihr zu erkennen, allerdings kann sie ihn nur sehen, wenn sie in einen Spiegel schaut. Und ihr wird in seiner Gegenwart so schlecht, dass sie sich fast übergeben muss. Das passiert, da sie dadurch, dass er ihr seine Geschichte erzählt, länger in seiner Gegenwart ist.
Die Mitschüler, mit denen sich Holly ein Büro an diesem College, das jährlich nur zwei Stipendien vergibt, teilt, sind Prudence, die ein Techtelmechtel mit dem Professor hat, und Justin, dessen Tante und Onkel das College gehört und die ein Geheimnis zu umwittern scheint.
Ein Geheimnis existiert tatsächlich. Das Geheimnis um das Grimoire, mit dem Dämonen heraufbeschworen werden können. Justins Onkel will das ewige Leben erhalten und geht dafür über Leichen.
Als Holly, Prudence und Justin hinter das Geheimnis kommen, schweben sie in höchster Gefahr. Sie sind aber auch die einzigen, die die Welt vor den Dämonen retten können.
Dieses Buch habe ich mir kurz nach der Wende gekauft. Es war mein erstes mit Blick auf "Bücher über Bücher" und mein erstes mit einem parapsychologischen Hintergrund. Also Hochspannung pur.
Nachdem ich nun mittlerweile schon einige Sachbücher zu dem Thema gelesen habe und Akte-X-Fan bin, hat es nicht mehr den Zauber von damals. Trotzdem hat es Spaß gemacht, es noch einmal zu lesen, vor allem, weil ich wirklich nicht mehr wusste, wie es endet.
Ein Aha-Erlebnis gab es dann aber ganz zum Schluss doch noch. In der Danksagung standen folgende Sätze:
Donnerstag, 16. April 2026
Deborah Crombie: Das verlorene Gedicht
Bis seine Exfrau ermordet wird. Da gibt es für ihn kein Halten mehr. Und Gemma James versucht, ihm so gut wie möglich zu helfen.
Dieser Krimi gehört zur Serie um die beiden Ermittler Duncan Kincaid und Gemma Jones, die ein privates Verhältnis haben. Ich kenne jetzt erst zwei Bücher aus dieser Reihe und merke, dass das persönliche Verhältnis mehr im Mittelpunkt steht und sich die Fälle anscheinend dazwischenschieben. Ich erfahre jedenfalls viel über das Privatleben der beiden Ermittler. Man liest diese Reihe wohl besser der Reihe nach,
"Das verlorene Gedicht" hat mir sehr gut gefallen, besonders weil es hier auch um Literatur geht, um das Erstellen einer Biografie. Jedes Kapitel beginnt mit einem Gedicht oder Gedichtausschnitt von dem Dichter Rupert Brooke, der hier öfter erwähnt wird. Und obwohl Gedichte ja nicht so mein Ding sind, machen diese mich neugierig.
Gedichte sind es dann auch, die die Ermittler auf die richtige Fährte bringen.
Goldmann, 2013
ca. 416 Seiten
ISBN-10: 3442052866
ISBN-13: 978-3442052868
Buch 5 von 19: Die Kincaid-James-Romane
Samstag, 21. März 2026
Amanda Colombo: Das Jahr in Virginias Buchladen
Buchinfo
Im Alter von fünfunddreißig Jahren kehrt die Juristin Bianca als Witwe wieder an den Ort ihrer Kindheit zurück. Ihr Mann ist verunglückt, ihre Ehe war nicht wirklich gut, und die junge Frau weiß nicht, wie es nun weitergehen soll. Sie beschließt in das alte Haus ihrer Großmutter zu ziehen – dem einzigen Ort, wo sie immer glücklich war. Denn unten im Haus befindet sich "Virginias Buchladen", die Buchhandlung von Signor Marco, der sie früher stets mit einem Lächeln und einem guten Ratschlag empfing. Ganze Nachmittage verbrachte sie als Mädchen in dem zauberhaften kleinen Buchladen. Als der alte Buchhändler, dessen geliebte Frau Virginia inzwischen gestorben ist, ankündigt, dass er bald schließen wird, kann Bianca es nicht fassen, und obwohl sie traurig ist, nimmt sie das Angebot an, ihm in dem verbleibenden Jahr zu helfen.
Tag für Tag lernt sie von dem weisen Signor Marco, wie man mit Kunden umgeht und das Buch findet, das sie wirklich brauchen. Vor allem aber lernt sie, dass Bücher Einfluss haben auf die Seelen und das Leben der Menschen. Die Arbeit in der Buchhandlung öffnet ihren Blick und ihr Herz. Auch ihre beiden besten Freundinnen, die unstete Mavi und die allzu geduldige Dele, scheinen in einer Sackgasse gelandet zu sein und suchen nach einer neuen Perspektive. Könnte die Buchhandlung, die einst nach Virginia Woolf benannt wurde, ein neuer Anfang für sie alle sein?
Buchbeginn
PROLOG
MAI 2008
"Alles in Ordnung, Mädchen!"
Signor Marcos Worte ließen sie hochfahren. Erst in diesem Moment wurde ihr klar, dass sie schon seit einer Weile schweigend dastand, den Blick auf die vollen Bücherregale gerichtet, während ihre Finger die Einkerbungen am Rand des alten Ladentisches fühlten, die von früheren Leben der Hölzer zeugten. Sie nahm sich noch einen Augenblick Zeit, um über den Rücken der Bücher zu streichen, die ihr so oft Gesellschaft geleistet hatten, und noch einmal ihren Geruch einzuatmen - diese verheißungsvolle Mischung aus Staub, Papier, Druckerschwärze und Geschichten, wie man sie nur in Buchhandlungen findet. Dieser Ort würde ihr fehlen, mehr als sie es sich eingestehen wollte, aber sie würde ein neues Leben beginnen und musste nach vorn blicken.
Zitat
"Meine Liebe", hatte sie lächelnd gesagt, "Bücher sind lebendig. Sie sind Papier und Blut, Druckerschwärze und Gedanken. Sie sind wie wir: Sie atmen, sie wiegen etwas, sie machen Geräusche, sie nehmen Licht und Gerüche auf, sie erzählen ihre Geschichte, sie werden alt. Wenn sich niemand um sie kümmert, sterben sie. Wenn sie von jemandem geliebt werden, leben sie ewig. Und ich liebe sie sehr."
Sonntag, 15. März 2026
Libby Page: Das Jahr voller Bücher und Wunder
Buchinfo
Tilly fällt aus allen Wolken, als sie an ihrem Geburtstag einen Anruf von Buchhändler Alfie Lane erhält. Ihr Ehemann Joe hat in Alfies kleinem Laden ein Geschenk für sie hinterlegt: ein Jahr voller Bücher – für jeden Monat eins. Seit Joes Tod vor fünf Monaten ist Tilly nicht mehr dieselbe, doch nun fasst sie sich ein Herz. Die Bücher führen sie von einem Abenteuer ins nächste. Durch die lebhaften Straßen New Yorks, zu neuen Freunden in Paris, in die friedvollen Hügel der Toskana und zu den kilometerlangen Sandstränden von Bali. Mit Alfies Hilfe entdeckt sie alte und neue Seiten an sich und lernt eine Tilly ganz ohne Joe kennen. Kann ihr dieses Jahr voller Bücher und Wunder zeigen, wie man wieder lacht, träumt und Pläne schmiedet? Und wie man sich vielleicht sogar neu verliebt?
Buchbeginn
Das richtige Buch in den Händen der richtigen Person genau im richtigen Augenblick kann ein Leben für immer verändern. Davon ist Alfie fest überzeugt. Was ziemlich naheliegt, wenn man sechs Tage die Woche in einer Buchhandlung verbringt und unzählige Male den großen Zauber erlebt hat, dass jemand den Laden mit der auf Papier gedruckten Chance verlässt, sich in jemand ganz anderen zu verwandeln.
Freitag, 23. Januar 2026
Lucy Dillon: Der Prinz in meinem Herzen
Aus dem Englischen von Sina Baumanns
Goldmann, 2013
Buchinfo
Als Anne den Buchladen von Longhampton übernimmt, erfüllt sich ihr großer Traum. Und nicht nur, weil sie damit zumindest zeitweise ihrer Rolle als ungeliebte Stiefmutter entkommen kann. Anne liebt Bücher – und die Geschichten von Märchenprinzen, bösen Hexen und verwunschenen Gärten erfüllen die Räume der kleinen Buchhandlung bald mit neuem Zauber. Ein Zauber, dem selbst Annes beste Freundin, die taffe Karrierefrau Michelle, erliegt. Doch deren Vergangenheit wirft dunkle Schatten, und eine Krise bahnt sich an. Ist das Glück der Freundinnen in Gefahr?
Buchbeginn
Michelle stand in ihrem neuen Laden und versuchte, sich einen Namen auszudenken (Nightingale's? Home sweet Home? Küchenparadies?), während sie sich den Verkaufsraum schon mit handgenähten Lavendel-Duftsäckchen, schweren Bienenwachskerzen - das war das Wichtigste - ohne den Gestank von geräucherten Makrelen vorstellte.
Montag, 19. Januar 2026
Karl August Böttiger: Literarische Zustände und Zeitgenossen - Begegnungen und Gespräche im Klassischen Weimar
Worüber sich Goethe und Wieland beim Abendessen unterhielten, was Bratwürste und Borsdorfer Äpfel mit dem Begriff des Unendlichen zu tun haben und warum sich Goethe nach Jena zurückzog, als die berühmte Madame de Stael in Weimar eintraf - wenn Sie das wissen möchten, dann greifen Sie zu dieser Ausgabe.
Aus der Handschrift neu herausgegeben, liegen die Aufzeichnungen des angesehenen Weimarer Gymnasialdirektors zum ersten mal unzensiert und ungekürzt vor. Lange genug genossen sie einen zweifelhaften Ruf, wurden als Klatsch- und Tratschbuch verschrien, und der Verfasser selbst wurde verunglimpft als Arschgesicht, Vogelscheuche und Schmeißfliege. Zugleich aber wurden diese Schilderungen wieder als zuverlässige Quelle genutzt.
Heute verbinden wir das Amüsement über das Menschlich-Allzumenschliche der Klassiker, wie es uns in Böttigers Aufzeichnungen so anschaulich entgegentritt, mit der Wertschätzung des authentischen Berichts eines Augen- und Ohrenzeugen.
Buchbeginn
Heute früh (den 26ten Septembr[is] [1791] predigte Herder in der Schloß- oder Garnisonkirche. Dies war das erstemal seit länger, als einem Halbjahr, und da es schlechterdings zum guten Tone gehört, Sonntags Nachmittags im Vauxhall oder in der Theegesellschaft fragen zu können: Haben Sie Herder gehört? so walfarthete noch vor 9 Uhr die ganze beau monde in diese in der äußersten Vorstadt gelegene Kirche.



