Donnerstag, 23. Juli 2026

Florian Beckerhoff (Hg.): Häfen - Eine literarische Kreuzfahrt

Buchinfo

Wer etwas erleben will, geht in den Hafen. Hier trifft das Meer auf die Stadt, hier kreuzen sich die Wege von Seefahrern, Händlern und Gaunern, Abenteurern, Flüchtigen und Verfolgern aus aller Herren Länder.

Kein Wunder, dass dieses schillernde Reich zwischen Wasser und Land gerade Schriftsteller immer wieder faszinierte.

Max Frisch, Jack London, Italo Svevo und viele andere laden ein zu einer bildstarken literarischen Kreuzfahrt um die Welt, von Piräus über Hamburg und New York bis nach Havanna, Bangkok und Shanghai.

 

Buchbeginn

Piräus
Eine Begegnung im Morgengrauen
Mark Twain kam mit der ,Quaker City', dem ersten Kreuzfahrtschiff überhaupt, nach Piräus. Augen für den Hafen hatte er aber nicht. Vom Hafenmeister unter Quarantäne gestellt, lobt er lediglich die damals noch klare Luft, durch die er mit seinem Fernglas einen guten Blick auf die Athener Tempelanlagen genießt. Im Zuge einer Nacht-und-Nebel-Aktion schleicht er sich schließlich von Bord, um die Akropolis aus der Nähe zu betrachten. Mit Erfolg. Aber Piräus? Kein Interesse.

Eichborn Verlag, 2008
186 Seiten
ISBN-10: ‎3821809620
ISBN-13: ‎978-3821809625  

Susanne von Meiss: BücherWelten

Für dieses Buch gibt es keinen Klappentext. Auf der Rückseite steht ein Spruch von Hermann Hesse:

"Von den vielen Welten, die der Mensch
nicht von der Natur bekam, sondern
sich aus dem eigenen Geist geschaffen hat,
ist die Welt der Bücher die größte."


Dieser wirklich ausgezeichnete Band ist in fünf Kapitel untergliedert:

1. Büchertempel - Geistliche Bibliotheken, Hofbibliotheken und Staatsbibliotheken

2. Bücher sammeln - Spezialsammlungen, Clubs, Berühmte Sammlungen

3. Wohnen mit Büchern - Bibliotheken als schöne Interieurs, Chalets und Jagdhäuser, Wohndesigner und ihre Bibliotheken

4. Buch & Kunst - Bibliotheken als Kunstobjekte, Buch als Kunst

5. Büchermacher - Kunst & Handwerk, Buch & Handel, Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Verlegerinnen und Verleger, Literaturagenten, Literaturkritiker

Im Anhang erscheinen noch Bezugsadressen, Bibliotheksadressen, die Bibliographie, Danksagung und Bildnachweis.
 

Montag, 20. Juli 2026

Anne Fine: Böse Träume

Melinda ist eine Leseratte durch und durch. Sie liest Bücher nicht nur, sie frisst sie anscheinend. Etwas zum Fressen gern haben, der Spruch würde zu ihr passen.
In der Schule hat sie unter ihrer Bank immer die neuesten Erscheinungen aus der Schulbibliothek.
Eines Tages kommt Imogen in ihre Klasse und der Klassenlehrer beauftragt ausgerechnet Melinda als Patin für die Neue. Ausgerechnet Melinda, die doch lieber liest, als sich mit den Mitschülern abzugeben.
Als sie hinter Imogens Geheimnis kommt, versucht sie, Näheres zu erfahren. Aber Imogen ist sehr verschlossen. Doch eines Tages entdeckt Melinda, woran es liegen könnte, dass Imogen so unnormal auf Bücher reagiert. Sie beschließt, Imogen zu helfen, doch die darf davon nichts erfahren.



Eine tolle Idee, schnell und leicht zu lesen. Der Schluss war für mich ein wenig enttäuschend. Ich hätte ihn mir anders gewünscht. Aber das ist Geschmackssache. Ansonsten: absolut lesenswert.
 

Donnerstag, 25. Juni 2026

Alberto Manguel: Tagebuch eines Lesers

 Übersetzt von Chris Hirte
FISCHER Taschenbuch
1. Auflage 1. Oktober 2007
240 Seiten
ISBN-10: ‎3596159431
ISBN-13: ‎978-3596159437
Originaltitel: ‎A Reading Diary

 

Buchinfo

Bücher sind die Sterne am Firmament unserer Biographie. Im ,Tagebuch eines Lesers' überlässt sich Alberto Manguel ein Jahr lang seinen Sternen. Monat für Monat liest er im Rhythmus seiner Reisen und der Jahreszeiten je eines seiner Lieblingsbücher neu - von Don Quijote bis Sherlock Holmes.
Alberto Manguel begegnet seiner Kindheit wieder, seinen literarischen Helden, und zeigt uns, wie man in Zeiten politischer Wirrnis lesend seinen Kopf behält. 

Buchbeginn

Seit einem guten Jahr bewohnen wir unser neues Haus in Frankreich, und schon muss ich fort, um meine Verwandten in Buenos Aires zu besuchen. Ich habe keine Lust dazu. Viel lieber möchte ich im Dorf bleiben, im Garten, im Haus, dessen dicke Wände im Sommer für Kühle sorgen. Ich möchte damit anfangen, die Bücher in die neu gebauten Regale einzusortieren. Ich möchte in meinem Zimmer sitzen und arbeiten. 

Dienstag, 9. Juni 2026

Penelope Fitzgerald: Die Buchhandlung

 Buchinfo

 Florence Green erwirbt in Hardborough, einem verschlafenen Dorf an der Küste Ostenglands, das Old House als zukünftiges Domizil für ihre Buchhandlung. Daß das Gebäude anscheinend von einem Poltergeist besessen und bis auf die Grundmauern feucht ist, bringt sie von ihrem Vorhaben ebensowenig ab wie die Tatsache, daß sie von finanziellen Dingen keine Ahnung hat. Voller Schwung stürzt sie sich in die Vorbereitungen und stattet ihre Buchhandlung liebevoll aus. Die Einwohner des kleinen Städtchens begegnen dem Unternehmen zunächst mit Skepsis, bald stellen sich jedoch erste Stammkunden ein. Als Florence Green aber dann "Lolita", ein gerade erschienenes Buch eines bis dahin unbekannten Autors, Vladimir Nabokov, verkauft, ist die Aufregung groß...

 

Buchbeginn

1959 wußte Florence Green am Ende mancher Nächte nicht genau, ob sie überhaupt geschlafen hatte. Sie plagte sich nämlich mit der schwierigen Entscheidung über den Kauf eines kleinen Anwesens, des Old House, samt dazugehörigem Lagerschuppen unten am Wasser. Sollte sie die einzige Buchhandlung in Hardborough aufmachen? Wahrscheinlich hielt die Unentschlossenheit sie wach.

 

Zitate

"Es [,Lolita' von Nabokov] ist ein gutes Buch, und deshalb sollten Sie versuchen, es den Einwohnern von Hardborough zu verkaufen. Die werden es nicht verstehen, aber das ist nur gut so. Verstehen macht denkfaul."


"Ihr Ärger richtete sich gegen alle, die mit Büchern und Lesen zu tun hatten, und die es zur Bedingung für Erfolg machten, daß man kleine Aufsätze schreiben konnte... Alle diese Menschen haßte sie." 

 

Aus dem Englischen von Christa Krüger
Mit einem Nachwort von David Nicholls
insel taschenbuch 4346
7. Auflage 2014
165 Seiten 

Sonntag, 7. Juni 2026

Ragnar Helgi Ólafsson: Die Bibliothek meines Vaters - Requiem

 Buchinfo
Der Autor muss die Bibliothek seines Vaters ausräumen und möchte es an einem Wochenende erledigen. Schnell wird klar, dass diese Zeitplanung eine Schnapsidee ist. Also entscheidet er sich dafür, zufällig Bücher aufzuschlagen. Er gleitet so in Gedanken und Zitaten nicht nur von Titel zu Titel, sondern jede aufgeklappte Seite bringt ihn zu anderen Fragestellungen: Hat jedes Buch einen eigenen, einzigartigen Geruch? Können wir jemals über den Verlust der verbrannten Bibliothek von Alexandria hinwegkommen? Was haben seltsame regionale Geschichten über Geister, Feen und arme Bauern im Island des 19. Jahrhunderts mit dem 21. zu tun? Wann genau wird die Sonne voraussichtlich ausbrennen? Und wie können diese Fragen dazu beitragen, unserem Leben und unserer Existenz heute einen Sinn zu geben?

Buchbeginn
Die Bibliothek meines Vaters umfasst mehr als 4000 Bände. Das ist eine grobe und vorsichtige Schätzung. Auf diese Zahl bin ich heute Morgen gekommen, indem ich die Regale gezählt und dann mit der durchschnittlichen Anzahl der Bücher in jedem Regal multipliziert habe. Die Bücher im Keller habe ich nicht mitgezählt. Auch nicht die Stapel und Kisten mit Büchern in der Garage. Ja, und zugegebenermaßen auch nicht die Bände und Mappen im Hausflur.

Zitat
"Ich war von Anfang an fest entschlossen, keine Bücher aus der Bibliothek meines Vaters mit nach Hause zu nehmen. Dieser Entschluss gilt nach wie vor. Ich habe so viele Bücher. Zu viele. Und ständig bekomme ich neue geschenkt. Zu meinem Geburtstag: ein Buch. Zu Weihnachten: ein Buch. Zu meinem Abschluss ein Buch. Es summiert sich. Ich kann nicht einmal behaupten, gänzlich unschuldig daran zu sein, denn auch ich habe Bücher gekauft, und zwar bei viel zu vielen Gelegenheiten. Vor ein paar Jahren füllte meine Bibliothek fünf turmhohe Bücherregale. Das ist natürlich eine Art böser Traum. Ich will keine Bücher besitzen. Bücher sind Kram, und ich möchte lieber nicht viel Kram besitzen, am besten gar keinen - oder zumindest so wenig wie möglich."



mikrotext
1. Auflage 2025
208 Seiten
ISBN-10: ‎3948631646
ISBN-13: ‎978-3948631642
Originaltitel: ‎Bókasafn föður míns
Aus dem Isländischen von Jón Thor Gislason und Wolfgang Schiffer 

Dienstag, 26. Mai 2026

Kim Wilkins: Das magische Buch

 Im Prolog begegnet uns Christian. Christian, der in einem Haus neben einer Leiche gefunden wird. Als die Bücher des Toten verschifft werden sollen, taucht Christian wieder auf, erleidet einen Unfall und stürzt ins Wasser.
Über 100 Jahre später erscheint er wieder und macht sich bei Holly bemerkbar. Während sie im Melbourner Humberstone College über ihren Büchern eingeschlafen ist, verschafft ihr Christian als Geist einen Höhepunkt.
Später gibt er sich ihr zu erkennen, allerdings kann sie ihn nur sehen, wenn sie in einen Spiegel schaut. Und ihr wird in seiner Gegenwart so schlecht, dass sie sich fast übergeben muss. Das passiert, da sie dadurch, dass er ihr seine Geschichte erzählt, länger in seiner Gegenwart ist.
Die Mitschüler, mit denen sich Holly ein Büro an diesem College, das jährlich nur zwei Stipendien vergibt, teilt, sind Prudence, die ein Techtelmechtel mit dem Professor hat, und Justin, dessen Tante und Onkel das College gehört und die ein Geheimnis zu umwittern scheint.
Ein Geheimnis existiert tatsächlich. Das Geheimnis um das Grimoire, mit dem Dämonen heraufbeschworen werden können. Justins Onkel will das ewige Leben erhalten und geht dafür über Leichen.
Als Holly, Prudence und Justin hinter das Geheimnis kommen, schweben sie in höchster Gefahr. Sie sind aber auch die einzigen, die die Welt vor den Dämonen retten können.
Dieses Buch habe ich mir kurz nach der Wende gekauft. Es war mein erstes mit Blick auf "Bücher über Bücher" und mein erstes mit einem parapsychologischen Hintergrund. Also Hochspannung pur.


Nachdem ich nun mittlerweile schon einige Sachbücher zu dem Thema gelesen habe und Akte-X-Fan bin, hat es nicht mehr den Zauber von damals. Trotzdem hat es Spaß gemacht, es noch einmal zu lesen, vor allem, weil ich wirklich nicht mehr wusste, wie es endet.
Ein Aha-Erlebnis gab es dann aber ganz zum Schluss doch noch. In der Danksagung standen folgende Sätze: