Samstag, 21. März 2026

Amanda Colombo: Das Jahr in Virginias Buchladen

Aus dem Italienischen von Renée Legrand

Buchinfo
Im Alter von fünfunddreißig Jahren kehrt die Juristin Bianca als Witwe wieder an den Ort ihrer Kindheit zurück. Ihr Mann ist verunglückt, ihre Ehe war nicht wirklich gut, und die junge Frau weiß nicht, wie es nun weitergehen soll. Sie beschließt in das alte Haus ihrer Großmutter zu ziehen – dem einzigen Ort, wo sie immer glücklich war. Denn unten im Haus befindet sich "Virginias Buchladen", die Buchhandlung von Signor Marco, der sie früher stets mit einem Lächeln und einem guten Ratschlag empfing. Ganze Nachmittage verbrachte sie als Mädchen in dem zauberhaften kleinen Buchladen. Als der alte Buchhändler, dessen geliebte Frau Virginia inzwischen gestorben ist, ankündigt, dass er bald schließen wird, kann Bianca es nicht fassen, und obwohl sie traurig ist, nimmt sie das Angebot an, ihm in dem verbleibenden Jahr zu helfen.

Tag für Tag lernt sie von dem weisen Signor Marco, wie man mit Kunden umgeht und das Buch findet, das sie wirklich brauchen. Vor allem aber lernt sie, dass Bücher Einfluss haben auf die Seelen und das Leben der Menschen. Die Arbeit in der Buchhandlung öffnet ihren Blick und ihr Herz. Auch ihre beiden besten Freundinnen, die unstete Mavi und die allzu geduldige Dele, scheinen in einer Sackgasse gelandet zu sein und suchen nach einer neuen Perspektive. Könnte die Buchhandlung, die einst nach Virginia Woolf benannt wurde, ein neuer Anfang für sie alle sein?

Buchbeginn
PROLOG
MAI 2008

"Alles in Ordnung, Mädchen!"
Signor Marcos Worte ließen sie hochfahren. Erst in diesem Moment wurde ihr klar, dass sie schon seit einer Weile schweigend dastand, den Blick auf die vollen Bücherregale gerichtet, während ihre Finger die Einkerbungen am Rand des alten Ladentisches fühlten, die von früheren Leben der Hölzer zeugten. Sie nahm sich noch einen Augenblick Zeit, um über den Rücken der Bücher zu streichen, die ihr so oft Gesellschaft geleistet hatten, und noch einmal ihren Geruch einzuatmen - diese verheißungsvolle Mischung aus Staub, Papier, Druckerschwärze und Geschichten, wie man sie nur in Buchhandlungen findet. Dieser Ort würde ihr fehlen, mehr als sie es sich eingestehen wollte, aber sie würde ein neues Leben beginnen und musste nach vorn blicken.

Zitat
"Meine Liebe", hatte sie lächelnd gesagt, "Bücher sind lebendig. Sie sind Papier und Blut, Druckerschwärze und Gedanken. Sie sind wie wir: Sie atmen, sie wiegen etwas, sie machen Geräusche, sie nehmen Licht und Gerüche auf, sie erzählen ihre Geschichte, sie werden alt. Wenn sich niemand um sie kümmert, sterben sie. Wenn sie von jemandem geliebt werden, leben sie ewig. Und ich liebe sie sehr."
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen