Mittwoch, 10. Dezember 2025

Christopher Morley: Das Haus der vergessenen Bücher

Aus dem Amerikanischen von Renate Orth-Guttmann

Buchinfo

Roger Mifflin hat seine größte Leidenschaft, das Lesen, zum Beruf gemacht. In seinem Antiquariat in Brooklyn findet man ihn dort, wo der Tabakrauch am dichtesten ist. Unterstützt wird er von seiner ebenso patenten wie resoluten Ehefrau und seinem Hund Bock-Bock wie Boccaccio. Bücher sind Mifflins Leben. Von Werbemaßnahmen für sein Geschäft will er allerdings nichts wissen, und so lässt er den jungen Aubrey Gilbert, angestellt bei der Grey Matter Agency, ziemlich abblitzen, als der ihm seine Dienste anbietet. Dennoch freunden sich die beiden an, und bald kommt Gilbert täglich ins Geschäft. Was auch an Mifflins neuer Hilfskraft liegen mag - der schönen Titania Chapman, deren Leben in Gefahr zu sein scheint. Und das gilt nicht nur für ihr Leben...

Buchbeginn

Die Buchhandlung, in der es spukt

Wenn es Sie einmal nach Brooklyn verschlägt, einen Ort, der prachtvolle Sonnenuntergänge und den erhebenden Anblick von Kinderwagen bietet, die von Ehemännern geschoben werden, hoffe ich um Ihretwillen, dass der Zufall Sie auch in jene ruhige Nebenstraße führt, in der sich eine höchst bemerkenswerte Buchhandlung befindet.

Christopher Morley: Eine Buchhandlung auf Reisen

Aus dem Amerikanischen Englisch von Felix Horst

Buchinfo

Helen McGills Bruder Andrew ist ein veritabler Büchernarr. Zu Helens großem Leidwesen. Vernachlässigt er doch dafür sträflich die Arbeit auf der gemeinsamen Farm. Als eines Tages ein gewisser Roger Mifflin mit seinem Parnassus, einer fahrenden Buchhandlung, bei der Farm haltmacht, um Andrew den Bücherwagen zu verkaufen, beschließt Helen, nur um ihren Bruder vor dem Anblick all der Bücher und die Farm damit vor dem Ruin zu bewahren, das Gefährt zu kaufen und auf Reisen zu gehen. Mutig macht sie sich auf, um die Weltliteratur kennenzulernen - und die Liebe zu einem seltsamen kleinen Mann, der unablässig das Evangelium des Buches predigt.

Buchbeginn

Ich frage mich, ob in der höheren Bildung nicht auch viel Unsinn steckt. Mir ist noch nie aufgefallen, dass Leute, die über Logarithmen und andere Formen der Dichtkunst Bescheid wissen, deshalb schneller Geschirr abwaschen oder Socken stopfen können. Ich habe, wenn ich Zeit dazu hatte, selber viel gelesen und will nichts gegen Leute sagen, die Bücher lieben, aber ich kenne viele Menschen, die einmal tüchtig und praktisch waren, aber durch zu viel feines Druckwerk verdorben worden sind. Wenn ich Sonette lese, bekomme ich auch immer gleich Schluckauf. 

Sonntag, 7. Dezember 2025

Natalie Jenner: Teatime im Jane-Austen-Club

Aus dem Amerikanischen von Marie Rahn

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1945: Der Krieg ist zu Ende, doch in dem kleinen Dorf Chawton im Süden Englands hat er Spuren hinterlassen. Hier lebte einst Jane Austen und schrieb ihre großen Romane, und die Erinnerung an sie prägt den Ort und seine Bewohner noch immer. Eine Gruppe ungleicher Menschen setzt sich dafür ein, Jane Austens Vermächtnis für die Welt zu erhalten. Sie alle haben mit dem Verlust und dem Trauma des Krieges zu kämpfen und finden Zuflucht in der Literatur. Gemeinsam gründen sie die Jane Austen Society. Werden sie über die Liebe zum Lesen ihre Trauer überwinden und zurück ins Leben finden?

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Chamton, Hampshire
Juni 1932

Er lag auf der moosbewachsenen Mauer, hatte die Beine angezogen und drückte seinen Rücken gegen den Stein. Das Zwitschern der Vögel drang durch die stille Morgenluft und verursachte ihm Kopfschmerzen. Ganz reglos lag er da und spürte, wie ihn auf dem kleinen Kirchhof der Tod umgab. Fast sah er selbst aus wie eine Skulptur auf einem Schrein, so als läge er in ewiger Ruhe auf einem stillen Grab.

Zitat
Wir schätzen Jane Austen, weil ihre Figuren, so faszinierend sie auch sein mögen, nicht besser oder schlechter sind als wir selbst. Sie sind durch und durch menschlich. Ich persönlich finde es sehr tröstlich, dass sie uns alle durchschaut hat. 

Samstag, 6. Dezember 2025

Bodo Plachta: Dichterhäuser in Deutschland, Österreich und der Schweiz

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Orte, an denen Dichterinnen und Autoren gelebt und gearbeitet haben, besitzen eine Aura. Wir suchen sie auf, um in Räumen und abgelebten Dingen etwas von dem Menschen und seiner kreativen Arbeit zu erhaschen und ihn vielleicht etwas besser zu verstehen. Manchmal, im Glücksfall, weht einen geradezu der Hauch einstiger Vitalität an. Der Germanist Bodo Plachta hat über fünfzig der schönsten Dichterhäuser und Gedenkstätten in Deutschland, Österreich und der Schweiz besucht und beschrieben, um zu solchen weltlichen Pilgerfahrten anzuregen: von der Wohnburg Oswalds von Wolkenstein über Goethes Weimar, das Gut Wiepersdorf der Arnims und Nietzsches Haus in Sils Maria bis zu Brechts Berliner Wohnung und Thomas Bernhards Bauernhöfen.

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Achim und Bettina von Arnim
Wiepersdorf

Schloss Wiepersdorf, 80 Kilometer von Berlin entfernt in der südlichen Mark Brandenburg bei Jüterbog gelegen, war zeitweiliger Wohnsitz des Dichterehepaars Achim (1781 - 1831) und Bettina (1785 - 1859) von Arnim und ist noch immer ein Künstlerhaus von überregionaler Bedeutung. Wie zur Zeit der Arnims liegt Schloss Wiepersdorf in einem idyllischen Park, abgeschieden in karger Landschaft und umgeben von kleinen Dörfern.

Sonntag, 30. November 2025

Evie Woods: Die Geschichtensammlerin

Aus dem Englischen von Ivonne Senn

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Ein ruhiges Dorf in Irland steht kurz davor, von einem geheimnisvollen lokalen Mythos unwiderruflich verändert zu werden...

Vor hundert Jahren erklärt sich Anna, ein junges Bauernmädchen, bereit, einem faszinierenden Besucher aus Amerika zu helfen, irische Feengeschichten ins Englische zu übersetzen. Doch nicht alles ist so, wie es scheint, und bald findet Anna sich im Herzen eines Geheimnisses wieder, das ihre gesamte Art zu Leben bedroht.

Im heutigen New York besteigt Sarah Harper ein Flugzeug in Richtung Irlands Westküste. Dort angekommen, sammelte sie die alten Geschichten und bringt damit dunkle Geheimnisse ans Licht, die ihrem Leben eine vollkommen andere Richtung geben könnten...

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Dort, wo Thornwood House jetzt steht, befand sich einst ein uralter Wald. Man sagt, als Lord Hawley das Anwesen 1882 als Brautgeschenk für seine Frau kaufte, befahl er, vor Beginn der Bauarbeiten die gesamte Fläche zu roden. Doch mitten auf dem Gelände stand ein knorriger alter Weißdorn, ein Feenbaum, und es hieß, dass jeden Unglück befallen würde, der es wagte, auch nur die Rinde zu verletzen. Eine Seherin aus dem Ort warnte den Master, den Baum nicht anzurühren, weil sich das Gute Volk an jedem rächen würde, der sich an seiner Behausung verginge. 

Zitat

"Wenn wir unsere Geschichten verlieren", schrieb er, "verlieren wir uns selbst."
 

Donnerstag, 27. November 2025

Walter Mehring: Die verlorene Bibliothek - Autobiographie einer Kultur

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"All die Bücher werden einmal dir gehören, wenn ich tot bin, hatte mein Vater gesagt, sooft ich mir einen Band ausleihen kam. Das also sollte mein Erbe sein." Walter Mehring hat dieses Erbe aus der Erinnerung gesichtet. Sein Buch über die (auf der Flucht vor dem NS-Regime) verlorene Bibliothek ist die geistreich-bissige Auseinandersetzung mit den Dichtern und Denkern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, eine kritische Lebensgeschichte der Literatur.

"Es lag mir nicht so sehr an den Büchern im einzelnen", schreibt Walter Mehring über die Entstehung dieser Autobiographie einer Kultur, "als vielmehr an jener historisch, ästhetisch, philosophisch einmaligen Konfiguration, wie sie sich in der Bibliothek meines Vaters, in seinem speziellen Horoskop des XIX. Jahrhunderts eingestellt hatte. Es wurde eine Konfrontation mit den Büchern und Autoren und ihren Schicksalen den fata meiner Generation -, doch ausschließlich mit denen, die im Augenblick der Niederschrift mir wahrhaftig, erinnerungsgetreu dazu einfielen. Dies bildete das einzige Kriterium."

 
Buchbeginn

Gewohnt habe ich zum letzten Male wohl in Wien, bevor es stürzte. Denn dort hatte ich noch alle Bücher um mich, aus meines Vaters Bibliothek, und konnte mich zu Hause fühlen. Wie oft seitdem das Landschaftsbild im Fensterrahmen gewechselt hat - und ein paar Mal war es vergittert -, vermag ich mir nicht mehr zu vergegenwärtigen. In Wien stand noch mein Büchererbe vor seinem Fall - ins Exil gerettet dank der Komplizität der Berliner Tschechoslowakischen Gesandtschaft, dank der Kollegialität ihres Attachés, des Lyrikers Camill Hoffmann (aus der Prager Dichterrunde der Werfel, Meyrink, Kafka, Capek, die alle etwas kabbalistisch angehaucht waren), - ihn aber hat man später in einem Brandofen vernichtet. 

Mittwoch, 19. November 2025

Carolin Gmyrek (Hg.): Geheimnisvolle Bibliotheken

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Bibliotheken sind Orte voller Geheimnisse. Sie enthalten Wissen, Schätze, Reichtümer... und manchmal ist das alles ein und dasselbe.
Bibliotheken beherbergen wandelnde Träume, verschlossene Märchen, geheimnisvolle Kreaturen, die sich zwischen den Regalen verstecken und verborgene Welten hinter jedem Bücherdeckel. Der Geruch von altem Papier und Staub weht wie ein ruheloser Geist durch die dunklen Räume und in der Luft liegt das leise Wispern von tausenden Gedanken und Ideen. Wie ein Labyrinth breiten sich kilometerlange Gänge vor einem aus und in jeder Ecke wartet ein Geheimnis, das einem den Atem rauben kann.

Buchbeginn

Vorwort
Der Dichter Jorge Luis Borges stellte sich sein Paradies immer als eine Art Bibliothek vor. Wie töricht. Hätte er die Geschichten des nun in Ihren Händen befindlichen Buches gelesen, so hätte er seine Meinung sicherlich revidiert und in den Gemäuern dieser Stätten die Hölle vermutet. Der Teufel selbst kehrt in ihnen ein und lässt seine Finger über die ledrigen Bücherrücken fahren.