Sonntag, 30. November 2025

Evie Woods: Die Geschichtensammlerin

Aus dem Englischen von Ivonne Senn

Buchinfo

Ein ruhiges Dorf in Irland steht kurz davor, von einem geheimnisvollen lokalen Mythos unwiderruflich verändert zu werden...

Vor hundert Jahren erklärt sich Anna, ein junges Bauernmädchen, bereit, einem faszinierenden Besucher aus Amerika zu helfen, irische Feengeschichten ins Englische zu übersetzen. Doch nicht alles ist so, wie es scheint, und bald findet Anna sich im Herzen eines Geheimnisses wieder, das ihre gesamte Art zu Leben bedroht.

Im heutigen New York besteigt Sarah Harper ein Flugzeug in Richtung Irlands Westküste. Dort angekommen, sammelte sie die alten Geschichten und bringt damit dunkle Geheimnisse ans Licht, die ihrem Leben eine vollkommen andere Richtung geben könnten...

Buchbeginn

Dort, wo Thornwood House jetzt steht, befand sich einst ein uralter Wald. Man sagt, als Lord Hawley das Anwesen 1882 als Brautgeschenk für seine Frau kaufte, befahl er, vor Beginn der Bauarbeiten die gesamte Fläche zu roden. Doch mitten auf dem Gelände stand ein knorriger alter Weißdorn, ein Feenbaum, und es hieß, dass jeden Unglück befallen würde, der es wagte, auch nur die Rinde zu verletzen. Eine Seherin aus dem Ort warnte den Master, den Baum nicht anzurühren, weil sich das Gute Volk an jedem rächen würde, der sich an seiner Behausung verginge. 

Zitat

"Wenn wir unsere Geschichten verlieren", schrieb er, "verlieren wir uns selbst."
 

Donnerstag, 27. November 2025

Walter Mehring: Die verlorene Bibliothek - Autobiographie einer Kultur

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"All die Bücher werden einmal dir gehören, wenn ich tot bin, hatte mein Vater gesagt, sooft ich mir einen Band ausleihen kam. Das also sollte mein Erbe sein." Walter Mehring hat dieses Erbe aus der Erinnerung gesichtet. Sein Buch über die (auf der Flucht vor dem NS-Regime) verlorene Bibliothek ist die geistreich-bissige Auseinandersetzung mit den Dichtern und Denkern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, eine kritische Lebensgeschichte der Literatur.

"Es lag mir nicht so sehr an den Büchern im einzelnen", schreibt Walter Mehring über die Entstehung dieser Autobiographie einer Kultur, "als vielmehr an jener historisch, ästhetisch, philosophisch einmaligen Konfiguration, wie sie sich in der Bibliothek meines Vaters, in seinem speziellen Horoskop des XIX. Jahrhunderts eingestellt hatte. Es wurde eine Konfrontation mit den Büchern und Autoren und ihren Schicksalen den fata meiner Generation -, doch ausschließlich mit denen, die im Augenblick der Niederschrift mir wahrhaftig, erinnerungsgetreu dazu einfielen. Dies bildete das einzige Kriterium."

 
Buchbeginn

Gewohnt habe ich zum letzten Male wohl in Wien, bevor es stürzte. Denn dort hatte ich noch alle Bücher um mich, aus meines Vaters Bibliothek, und konnte mich zu Hause fühlen. Wie oft seitdem das Landschaftsbild im Fensterrahmen gewechselt hat - und ein paar Mal war es vergittert -, vermag ich mir nicht mehr zu vergegenwärtigen. In Wien stand noch mein Büchererbe vor seinem Fall - ins Exil gerettet dank der Komplizität der Berliner Tschechoslowakischen Gesandtschaft, dank der Kollegialität ihres Attachés, des Lyrikers Camill Hoffmann (aus der Prager Dichterrunde der Werfel, Meyrink, Kafka, Capek, die alle etwas kabbalistisch angehaucht waren), - ihn aber hat man später in einem Brandofen vernichtet. 

Mittwoch, 19. November 2025

Carolin Gmyrek (Hg.): Geheimnisvolle Bibliotheken

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Bibliotheken sind Orte voller Geheimnisse. Sie enthalten Wissen, Schätze, Reichtümer... und manchmal ist das alles ein und dasselbe.
Bibliotheken beherbergen wandelnde Träume, verschlossene Märchen, geheimnisvolle Kreaturen, die sich zwischen den Regalen verstecken und verborgene Welten hinter jedem Bücherdeckel. Der Geruch von altem Papier und Staub weht wie ein ruheloser Geist durch die dunklen Räume und in der Luft liegt das leise Wispern von tausenden Gedanken und Ideen. Wie ein Labyrinth breiten sich kilometerlange Gänge vor einem aus und in jeder Ecke wartet ein Geheimnis, das einem den Atem rauben kann.

Buchbeginn

Vorwort
Der Dichter Jorge Luis Borges stellte sich sein Paradies immer als eine Art Bibliothek vor. Wie töricht. Hätte er die Geschichten des nun in Ihren Händen befindlichen Buches gelesen, so hätte er seine Meinung sicherlich revidiert und in den Gemäuern dieser Stätten die Hölle vermutet. Der Teufel selbst kehrt in ihnen ein und lässt seine Finger über die ledrigen Bücherrücken fahren.

Kathrin Sand: Wenn Bücher töten

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In Berlin wird ein Brandanschlag auf die Verlagsbuchhandlung "Orientalia" verübt, die eine brisante Koranstudie veröffentlicht hat. Ein Mord im näheren Umfeld von "Orientalia" ruft die Mordkommission auf den Plan. Kommissarin Sarah Stern und ihr Kollege Hakan Mutlu vermuten einen Zusammenhang. Doch sie stoßen bei ihren Ermittlungen auf Widerstand aus den eigenen Reihen. Wie viel Zeit bleibt den Ermittlern, um weiteres Blutvergießen zu verhindern?

Buchbeginn

"Prolog
Mit zitternder Hand legte er den Hörer auf die Gabel und stützte sich mit der Hüfte am Schreibtisch ab. Seine Beine fühlten sich bleischwer an. Sie bremsten den Impuls, augenblicklich die Flucht zu ergreifen, sich seinem Dasein zu entziehen und sich irgendwo zu verstecken.
,So fühlt es sich also an, wenn einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird', schoss es ihm zum wiederholten Mal durch den Kopf. Wenn die eigene Welt zusammenbricht. Das Ende."
 

Sonntag, 2. November 2025

Jackie Fraser: Der kleine Buchladen zum großen Glück

Aus dem Englischen von Kerstin Ostendorf
Bastei Lübbe, 2022
978-3404184989

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In diesem Buchladen bekommt jeder eine zweite Chance!

Gerade als sich die ganze Welt gegen sie verschworen zu haben scheint, erbt Thea von einem Onkel ein Cottage in einem schottischen Dorf. Schnell merkt sie, dass das Leben hier ganz anders ist als in London: ruhiger, entspannter, freundschaftlicher.
Nach und nach lernt sie die Dorfbewohner kennen - unter ihnen der charmante Lord Charles, der ein Auge auf ihr Haus geworfen hat, und sein knurriger Bruder Edward, der sich für die wertvollen Erstausgaben im Nachlass ihres Onkels interessiert.
Als Edward eine Aushilfe für sein Antiquariat sucht, heuert sie kurz entschlossen bei ihm an. Schließlich braucht sie nichts dringender als einen Neuanfang...

Buchbeginn
Gestern war Valentinstag. Es ist jetzt zwei Wochen her, dass ich meine Stelle verloren habe - ich wurde betriebsbedingt gekündigt und fristlos aus dem Büro geworfen - und zehn Tage, dass mein Ehemann Chris, von nun an "dieser Mistkerl" mich verlassen hat. Oder habe ich ihn verlassen? Vielleicht schon, immerhin war ich diejenige, die gehen musste. 

Ruprecht Frieling: Mit Büchern das gefrorene Meer der Zeit löchern - 222 Lesetipps

Antheum Verlag, 2021
978-3959495318

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Was soll ich nur als nächstes lesen? Was für ein Buch kann ich verschenken? Welcher Titel eignet sich für den Urlaub, welcher verlangt Konzentration?
Der Literaturkritiker Ruprecht Frieling stellt dazu Veröffentlichungen der zeitgenössischen Moderne vor, die oft abseits des Mainstreams blühen. Mit dieser Schatzsuche unterstützt er die Freunde lesenswerter Literatur und setzt ein Zeichen gegen den Vielfraß billiger Schmöker.
Gleichzeitig beweist er mit dieser Veröffentlichung: Auch das Lesen von Rezensionen bietet Genuss und kann Spaß machen!
Auf seinem Streifzug präsentiert Frieling, selbst ein erfahrener Autor, Veröffentlichungen aus allen Genres: Romane, Erzählungen und Storys, Underground und Szene, Satire, Humor und Kriminalliteratur. Er erkundet aber auch die Ressorts Phantastische Literatur, New Journalism, Sprache und Literatur, Liebesromane, Science-Fiction, Biografisches, Erfahrungen und Sachbuch.
Vorgestellt werden beachtenswerte Bücher von bekannten und weniger bekannten Autorinnen und Autoren.
Damit niemand sagt, Rezensenten schreiben lediglich ultimative Lobeshymnen, hat Frieling als "Bonustrack" eine Auswahl von Verrissen hinzugefügt.

Buchbeginn

Ich habe nie genau nachgezählt, wie viel tausend Besprechungen ich in fünfzig Berufsjahren als Journalist und Autor veröffentlicht habe. Ich weiß auch nicht, wie viel hunderte Berichte über Oper- und Theaterpremieren sowie Ausstellungen, Rezensionen von Kinofilmen und Fernsehsendungen bis hin zu Bewertungen von Dingen des täglichen Gebrauchs von mir verfasst wurden. Es sind jedenfalls unheimlich viele, und manchmal frage ich mich, wie das alles zu bewältigen war.